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Free Burma

Eingetragen von Julia Spreen auf 1. Oktober 2007 – 00:48Kein Kommentar

Mit Sorge, aber irgendwie auch voller Hoffnung verfolgte ich in den vergangenen Tagen die Situation in Myanmar. Ich spüre eine sehr enge, wenn auch unbegründete Verbindung zu diesem Land. Seit geraumer Zeit verfolge ich das Ziel, einmal dieses Land zu bereisen, um Gesellschaft und Kultur kennenzulernen. Das Militärregime hielt mich bislang von einem Besuch ab, da es sich zu großen Teilen über Einnahmen aus dem Tourismus finanziert, was ich für nicht unterstützenswert hielt. Der Drang ist dennoch riesengroß und bestimmte Menschen könnten vermutlich leidvoll davon berichten, wie ich die Landschaft, Architektur und Gesellschaft des Landes in höchsten Tönen zu loben vermag.Soeben fühlte ich mich animiert, meine Gefühle und Gedanken dazu aufzuschreiben, weil die mediale Resonanz beinahe genauso besorgniserregend ist wie die Lage vor Ort: Die letzten Informationen, die ich über die deutsche Medienlandschaft konsumiert habe, bezogen sich auf das nun rigorosere, gewaltsame und brutale Vorgehen der Regierung gegen friedliche Demonstrationen. Die zweifelhafte Erklärung, dass der Aufstand nun beendet sei, reichte offensichtlich aus, um Burma von der öffentlichen Agenda zu kicken. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass Sonntag um 23 Uhr auf der Tagesschau-Startseite außer einem Sidebar-Dossier-Verweis kein aktueller Artikel mehr zu finden war. Im angeschlossenen Blog debattiert man stattdessen über den politisch korrekten Namen des Landes, wobei der vor dem Hintergrund von inakzeptabler Gewalt mehr als irrelevant sein sollte.

Genau jetzt ist doch die öffentliche Aufmerksamkeit und Sensibilität wichtiger denn je: Die Regierung verfolgt eine vehemente Abschottungsstrategie, weder gesicherte Informationen noch Bilder verlassen das Land. Leider kann das Fernsehen News aber kaum ohne Visualisierungen vermitteln, also freuen wir uns lieber darüber, dass wir Weltmeisterin sind, dass wir der politische Gegner neues Führungspersonal gewählt hat und dass die Bahn Angst vor einem Streik hat. Ab einem gewissen Niveau können Informationen schließlich auch gar nicht mehr verarbeitet werden und wir überfordern uns ja nur ungern selbst. Bislang war es die Stärke des burmesischen Protests, dass die Idee ohne internationale Unterstützung aus dem Land heraus in die Welt kommuniziert wurde. Es ist ein beeindruckend starkes Symbol, wenn Mönche die Gaben und Spenden der Regierung verweigern und ihre Reisschalen umdrehen, aber wie soll man einen Störungsbildschirm mit Rauschen als Untermalung einordnen? Der Eindruck, den wir heute über Myanmar bekommen, ist schon jetzt wieder genauso verschwommen, wie er es jahrzehntelang war. Es hat sich nichts geändert, oder doch?

Dem Protest eine Stimme geben – Demokratie für Burma

Aus Bloggerkreisen heraus hat sich eine “Free Burma”-Initiative formiert, die ehrlich gesagt auch meine wissenschaftliche Wissensbegierde in Richtung politischer Interessenvermittlung geweckt hat. Es ist für mich schwer vorstellbar, dass ein weit verbreiteter Online-Protest für sich etwas Nachhaltiges bewirken kann, denn prinzipiell wird so etwas organisiert, um den entsprechenden Verantwortlichen aufzuzeigen, dass sie mit ihren Handlungen unter Beobachtung stehen. Aber ist dieses Regime in Myanmar überhaupt an der Außenmeinung interessiert? Kann man über das Internet einen weltweiten Protest organisieren, der schlussendlich wenigstens peripher zur Demokratiserung eines Landes beiträgt? Ich werde jedenfalls mitmachen, weil es momentan das einzigste kleine Bisschen ist, was ich konkret tun kann, es ist kein zeitlicher Aufwand und wer sich dadurch gestört fühlt, der hat auf meinem Blog eh nichts zu suchen. Lasst uns dem friedlichen Protest am 04. Oktober und darüber hinaus eine Stimme geben!

Free Burma

Beinahe nebenbei wird mit dem “Fall Burma” einmal mehr die durch Blockade ausgelöste Handlungsunfähigkeit und damit Reformbedürftigkeit der United Nations verdeutlicht. In Fragen der sozialen Gerechtigkeit, des Friedens und der Gleichheit muss dieses Thema ernsthaft international diskutiert werden, damit es endlich zu wirklichen Veränderungen kommt.

Weitere Informationen zur Situation in Burma

Ko Htikes Blog aus Myanmar

Democratic Voice of Burma

Terre des Hommes

Burma-Initiative des Asienhauses

Friedrich Ebert Stiftung: Myanmars Waffenstillstände und die Rolle der internationalen Gemeinschaft

International Crisis Group

IUSY Statement zum UN Human Rights Council zur Situation in Burma

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